Johannespassion in Gauerstadt

Sänger und Musiker der Johannespassion
Bildrechte: Lothar Weispfennig

Am Karfreitag 2018 führten die Stadtkantorei Hildburghausen und die Sängervereinigung Bad Rodach unter der Leitung von Torsten Sterzik mit dem Collegium Musicum Hildburghausen die Jonnespassion von Heinrich Schütz in der Marienkirche zu Gauerstadt auf.

Mitwirkende der Johannespassion
Bildrechte: Lothar Weispfennig

Die Johannespassion (1665/66) als eines seiner späten Werke zeugt von Schütz' genialer Übertragung deutscher biblischer Texte in eine Musiksprache, die dem italienischen Stil verbunden ist. Dramatische Polyphonie in den Chören steht dem rezitierenden und erzählenden Gestus in den Solopartien gegenüber. Nach langem Schweigen wurde die Passion zu Beginn der 1880er Jahre in Bonn wiederaufgeführt – durch Arnold Mendelssohn, der das ursprünglich rein vokale Werk mit einer Orgelbegleitung versehen hatte. In diese Folge tritt auch die heute aufgeführte Version von KMD Torsten Sterzik (Hildburghausen) für Streicher (Collegium musicum Hildburghausen) und Orgel (Marcus Ewald). Pfarrer Karl-Heinz Hillermeier begrüßte die Gäste und Mitwirkenden.

Nach einem Vorspiel der 17 Streicher beginnt der Chor: “Das Leiden unsers Herren Jesu Christi, wie uns das beschreibet der heilige Evangeliste Johannes“. Die wunderbar klare Sopranstimme der Julia Lucas (aus Biberschlag) spinnt den Erzählfaden weiter begleitet am Orgelpositiv von Markus Ewald.

“Wen suchet ihr?“ fragt Jesus (die sonore Bassstimme von Arnd Morgenroth aus Themar). Der Chor (Stadtkantorei Hildburghausen und Sängervereinigung Bad Rodach) antwortet: “Jesum von Nazareth!“ Irgendwann mischt sich Pilatus (KMD Torsten Sterzig mit seinem unnachahmlich warmen Bariton) in das Geschehen ein: „Was bringet ihr für Klage wider diesen Menschen?“ und „Ich finde keine Schuld an ihm. Ihr habet aber eine Gewohnheit, dass ich euch einen auf Ostern losgebe. Wollet ihr nun, dass ich euch der Juden König losgebe?“ Der Chor antwortet: „Nicht diesen, sondern Barrabam!“

Wir wissen, all das nutzt nichts, Jesus wird gekreuziget und stirbt mit den Worten: „Mich dürstet“ und „Es ist vollbracht!“. Nach einer kurzen Pause setzt der Schlusschor ein: „O hilf, Christe, Gottes Sohn, durch dein bitter Leiden, dass wir dir stets untertan, all' Untugend meiden, deinen Tod und sein' Ursach' fruchtbarlich bedenken, dafür, wiewohl arm und schwach, dir Dankopfer schenken“.

Pfarrer Karl-Heinz Hillermeier nahm die emotional aufgewühlten Gäste und Mitwirkenden mit einem tröstenden Gebet und dem Vater unser hinaus in einen sonnigen Karfreitag.

Text und Fotos: Lothar Weispfennig